Verband Schweizerischer Anatomie - Pathologie Präparatoren

 

Verband

In der Schweiz existieren zwei Präparatorenverbände, die naturwissenschaftlichen PräparatorInnen und die Human PräparatorInnen der Fachrichtungen Anatomie, Pathologie und Rechtsmedizin.

Der Verband VSHP-ASPH-ASPU nimmt die Angelegenheiten der Präparatoren in den Instituten für Anatomie, Rechtsmedizin und der Pathologie, wahr. Er entstand aus dem Verband VSAPP/ASPAP, dieser wurde 1985 gegründet und zählt derzeit 50 Aktivmitglieder, 3 Ehrenmitglieder und 6 Veteranen.

Tätigkeiten

Human Präparatoren und Präparatorinnen assistieren bei der Untersuchung von Leichen. Sie entnehmen, präparieren und konservieren Knochenteile, Gewebe und Organe. Die Verstorbenen richten sie danach zur Aufbahrung her.

Human Präparatoren arbeiten an einem Institut der Anatomie, Pathologie oder Rechtsmedizin. Dort wirken sie mit bei der Vor- und Nachbereitung, Durchführung und Sicherstellung von Autopsien. Dazu gehören z.B. die Entnahme und Konservierung von Organen.

Nachdem Human Präparatorinnen eine Leiche entgegengenommen und vorbereitet haben, öffnen sie diese und assistieren der Fachärztin beim Sezieren. Sie stellen Präparate und Anschauungsmaterial für Unterrichtszwecke oder Sammlungen her. Für anatomische Präparate, die das normale Aussehen, den Aufbau, die Grösse etc. eines Körperteils darstellen sollen, entnehmen sie bspw. einen einzelnen Muskel und befreien ihn von Fett und Haut sowie konservieren diesen in einer Lösung. Für pathologische Präparate richten sie krankhaft veränderte Körperteile her. In der Pathologie ist es auch ihr Ziel, die Todesursache eines an einem natürlichen Tod gestorbenen, kranken Menschen zu eruieren.

Human Präparatoren, die in der Rechtsmedizin arbeiten, obduzieren Leichen, bei denen ein Tötungsdelikt vermutet wird. Um die genaue Todesursache, den Sterbevorgang und etwaige Fremdeinwirkungen zu rekonstruieren, gehen sie äusserst behutsam vor, protokollieren einzelne Arbeitsschritte schriftlich sowie fotografisch.

Nach der Obduktion richten Human Präparatorinnen Verstorbene für die Aufbahrung und die Übergabe an die Angehörigen her. Bei Bedarf balsamieren sie Verstorbene ein, die ins Ausland überführt werden. Gelegentlich begleiten sie Angehörige einfühlsam bei der Abschiednahme. Ausserdem regeln sie mit den Angehörigen, Kliniken, Bestattungsinstituten und Behörden offene Formalitäten.

Human Präparatoren entsorgen Gewebe und Chemikalien fachgerecht, bewirtschaften die Asservate und halten sich strikt an die Hygiene- und Datenschutzbestimmungen. Sie sorgen sich zudem um die benötigten Hilfsmittel: Sie warten die Apparate, Instrumente und optischen Geräte. Sie schleifen Messer, reinigen Lupen und Mikroskope und erledigen anfallende Arbeiten in den Instituten.

Human Präparatorinnen leiten ein medizinisch-technisches Team. Sie erstellen Dienst- und Einsatzpläne für die Teammitglieder, fördern und fordern sie. Sie führen neue Mitarbeitende in die Aufgabengebiete ein, bilden angehende Human Präparatorinnen aus und betreuen Studierende während ihrer Praktika.

Ausbildung

Grundlage

Eidg. genehmigte Prüfungsordnung vom 4.7.2011

Prüfungsvorbereitung

Die für die Prüfung erforderlichen Qualifikationen werden in der Regel autodidaktisch erworben. Die Prüfungsordnung und Wegleitung sind erhältlich beim Verband Schweiz. Human Präparatoren VSHP.

Bildungsangebote

Die praktische und theoretische Ausbildung erfolgt am Institut, bei dem der/die Human Präparator/in angestellt ist.

Dauer

3 Jahre, bei 100% Anstellung

Geprüfte Fächer

Autopsie und Präparation (z.B. Entgegennahme einer Leiche, Einzelorgankonservierung), Berufskenntnisse (z.B. Apparate- / Instrumentenwartung), chemische Kenntnisse (z.B. Lösungen für Präparationszwecke), kaufmännische Belange / Computerkenntnisse (z.B. Leichenbuchführung, Statistiken), Gesetzeskunde / Unfallverhütung (z.B. Gesundheitsgesetz, Melde-, Schweigepflicht), allgemeine Fachkenntnisse (z.B. Anatomie, Physiologie, Einsargung)

Je nach Fachgebiet des Arbeitsortes der geprüften Person (Anatomie, Pathologie oder Rechtsmedizin) kann der Prüfungsstoff variieren.

Abschluss

"Human Präparator/in mit eidg. Fachausweis"

Voraussetzungen

Bei Prüfungsantritt erforderlich:

- Abschluss einer mind. 3-jährigen beruflichen Grundbildung oder gleichwertiger Ausweis

und

mind. 3 Jahre Praxis als Human Präparator/in in der Schweiz, bei 100% Arbeitspensum

oder

- mind. 6 Jahre Berufspraxis bei einem Pensum von 100% als Human Präparator/in in der Schweiz

und

- Nachweis über mind. 150 durchgeführte Autopsien oder 150 Kursleichen in der Anatomie

und

- mind. 2 Wochen Praktikum in einem Fremdbetrieb und dabei Zusammenarbeit mit einem/r Präparator/in mit eidg. Fachausweis

Kurse

Angebote des Verbands Schweiz. Human Präparatoren VSHP, vom Verband Deutscher Präparatoren VDP und anderer ausländischer Verbände sowie von Instituten im In- und Ausland

Weiterbildungen in den drei Fachgebieten Anatomie, Pathologie und Rechtsmedizin erfolgen weitgehend im Selbststudium.

Berufsverhältnisse

An Schweizer Instituten arbeiten ca. 70 Human Präparatoren und Präparatorinnen. Der Bedarf ist tendenziell abnehmend. Es gibt nur wenige Ausbildungsplätze und Arbeitsstellen. Je nach Arbeitsort können die Arbeitszeiten unregelmässig sein bzw. Wochenend- und Feiertagsdienste bedingen.

Ausgebildete Fachleute übernehmen auch Führungsaufgaben und bilden ihnen unterstellte Mitarbeitende aus.

Der Beruf setzt eine sehr exakte Arbeitsweise, geschickte Hände, psychische und physische Belastbarkeit sowie Verschwiegenheit voraus.